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Stillgeschichte von Ferdinand - Seite 1 von 4

Originalbericht Katrin Burger, dipl. Ökotrophologin, Wissenschaftsjournalistin

1. Woche

Mein Sohn Ferdinand kam am 11. März ohne Komplikationen in der Frauenklinik vom Roten Kreuz in München zur Welt. Er war gesund, wog 3340 g und war 51 cm groß. Noch im Kreissaal versuchte die Hebamme ihn an meine Brust zu legen. Aber da ich aus der Badewanne kam (ich hatte ihn im Wasser geboren) waren meine Brüste weich und die Brustwarzen kamen nicht hervor.

Als ich einige Stunden später ins Stillzimmer ging, zeigte mir eine Schwester „kurz“ wie man ein Baby anlegt. Ich konnte es natürlich nicht auf Anhieb und musste immer wieder eine Schwester bitten, mir mein Baby anzulegen. Die Schwestern wechselten je nach Schicht und jede sagte ein bisschen etwas anderes.

Ich war dadurch sehr verunsichert. Woher weiß man, ob überhaupt Milch fließt? Wie oft muss ich nachts aufstehen, um zu stillen – alle vier Stunden? Warum war eine Brustwarze (die rechte) so gar nicht greifbar? Diese Fragen stellte ich mir. Dazu kam, dass ich wegen eines Scheidenrisses nicht richtig sitzen konnte. Und: bereits am zweiten Tag nach der Geburt waren meine Brustwarzen gereizt und mein Baby schmatzte unentwegt, wenn es nicht gerade schlief.

Ich musste unbedingt aus der Klinik, da ich mich so unwohl und wenig unterstützt fühlte. Meine Nachsorgehebamme würde mir das sicher alles richtig zeigen, dachte ich.

Beim Abschlussgespräch mit der Kinderärztin der Klinik machte sie mir Angst: „Ihr Baby muss jetzt aber endlich zunehmen!“ Ferdinand wog 3100 g am zweiten Tag. Ich hatte gelesen, wie es sich mit dem Gewicht bei Babys verhält und wusste also, dass Babys physiologischerweise am Anfang abnehmen, weil sie das Kindspech ausscheiden. Ich fühlte mich aber trotzdem unter Druck gesetzt und entwickelte schon zu diesem Zeitpunkt ein verkrampftes Verhältnis zur gesamten Stillsituation.

Daheim ging es mir wesentlich besser. Meine Nachsorgehebamme versorgte mich mit Wolle-Seide-Einlagen, einem Stillhütchen (Medela Größe M) für die rechte Brustwarze und einer Salbe, die ich immer wieder auf die gereizten Warzen auftrug. Zudem empfahl sie mir Teebeutel auf die Warzen zu legen, um sie zu gerben, abzuhärten.

Ich befolgte alle Ratschläge, aber schon am fünften Tag begann meine linke Brust zu schmerzen. Sie war rot und druckempfindlich an der Unterseite – eine Brustentzündung. Das Ganze kündigte sich bereits nachts mit Kopfschmerzen, Schüttelfrost und hohem Fieber an.

Nun sollte ich mit „Retterspitz“ und Quarkwickeln immer nach dem Stillen die Brust kühlen. Das half, aber schon zwei Tage später hatte ich die Entzündung an der rechten Brust. Ich wiederholte die Prozedur. Natürlich abwechselnd mit den Teeauflagen. Denn meine Brustwarzen waren zu diesem Zeitpunkt keineswegs besser geworden, sondern hatten tiefe Furchen und rissen immer wieder blutend auf, wenn Ferdinand ansaugte. Dazu kam, dass mein Kleiner vor allem nachts viel schrie, ich dann also mit Fieber und Schmerzen stillen musste.

2. Woche

Auch mein Freund kam an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Er musste in der zweiten Woche wieder in die Arbeit, was meinen Zustand wahrscheinlich noch zusätzlich verschlimmerte.

Zu diesem Zeitpunkt war Ferdinand laut der Waage meiner Hebamme wieder bei seinem Geburtsgewicht angekommen. Zudem waren meine Hemden und T-Shirts immer wieder mit Milch getränkt, sodass wir an der verfügbaren Milchmenge keine Zweifel hatten. Zudem entwickelte Ferdinand eine kleines Doppelkinn.

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