Stillgeschichte von Ferdinand - Seite 3 von 4
Originalbericht Katrin Burger, dipl. Ökotrophologin, Wissenschaftsjournalistin
4. Woche (Fortsetzung)
Wir lasen das „Stillbuch“ und „Die Hebammenpraxis“ um herauszufinden, was bei mir schief lief. Ich begann dann mein Baby an beiden Brüsten anzulegen, damit er pro Mahlzeit mehr Milch bekommen sollte und um meine Brustwarzen zu schonen. Zudem trank ich Salbeitee, um die Milchmenge noch weiter zu reduzieren.
Aber die Bücher widersprachen sich oft und meine Hebamme riet mir nur so weiter zu machen wie bislang. Sie wusste wohl auch nicht weiter. Ich fragte mich immer wieder, was der Grund dafür war, dass sich mein Zustand eigentlich eher verschlechterte als verbesserte, obwohl ich viel Unterstützung von Freunden und Eltern bekam. Gab es ein Problem mit meinem Freund? Hatte es etwas mit der Brustkrebserkrankung meiner Mutter zu tun? Hatte ich Zug bekommen oder zuviel ungebetenen Besuch? All das konnte ich gefühlsmäßig mit „nein“ beantworten. Ich kam also nicht weiter und so bat ich meine Freundin eine Stillberaterin zu befragen. Auch weil sie sich Sorgen machte, dass der Strang in meiner Brust ein Abszess werden könnte.
So kam ich zu Petra Schwaiger, Stillberaterin bei der „Beratungsstelle für natürliche Geburt“. Sie versprach am nächsten Tag zu kommen. Als sie kam hatte ich gerade wieder einen starken Schüttelfrost. Sie befragte mich eingehend, schaute sich meine Brustwarzen und meinen Sohn an.
Dann gab sie klare Anweisungen:
1. Ich sollte zur Ärztin gehen und mir nochmals Antibiotika verschreiben lassen, falls sich mein Zustand nicht in 24 h deutlich verbessern würde.
2. Ich sollte das Stillhütchen gegen ein größeres austauschen (Medela Größe L), oder ganz weglassen.
3. Ich sollte Ferdinand trotz Schmerzen immer anlegen, wenn er Hunger hatte, bzw. schrie. Auch wenn es jede Stunde sein sollte. Und ihn immer nah am Körper halten.
4. Ich sollte Vitamin C in hohen Dosen ,Vitamin B und Lecithin einnehmen.
5. Sie gab mir Kappen aus Plastik, die man auf die Brust setzen konnte, damit sie Luft bekämen und sie riet mir eine Pilzsalbe zu kaufen, denn was die stechenden Schmerzen in meinen Warzen und beim Stillen verursachte war „Soor“. Auch im Mund von Ferdinand fand sie eine leichte Pilzbesiedelung.
Am nächsten Tag ging ich zur Ärztin, weil meine Brust immer noch tief rot und das Fieber nicht weg war. Sie sagte, dass dies ein angehender Abszess sei. Zudem schimpfte sie mich, dass ich das Pravidel nicht eingenommen hatte und meinte, dass ich deswegen nun wieder entzündete Brüste habe. Sie fragte mich, ob ich ins Krankenhaus wolle, um mir die Brust aufschneiden zu lassen. Sie verunsicherte mich zusätzlich, weil sie mir sagte, ich solle nicht dauernd an die Brust fassen und auf keinen Fall die Brust vor dem Stillen wärmen, wie ich es immer getan hatte, um die Milch zum Fließen zu bringen. Ich sollte nur kühlen und endlich das Pravidel einnehmen.
Daheim beratschlagte ich mich mit Frau Schwaiger und meiner Hebamme. Beide rieten mit abermals von Pravidel ab, da es keine Studien gäbe, die zeigten, dass das Medkament eine Brustentzündung heilen oder einen Abszess vorbeugen könnte.
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