Stillgeschichte von Ferdinand - Seite 4 von 4
Originalbericht Katrin Burger, dipl. Ökotrophologin, Wissenschaftsjournalistin
4. Woche (Forsetzung)
Zudem wogen wir Ferdinand. Er wog laut Storchenwaage 3250 g. Aber Frau Schwaiger war mit seinem Zustand überhaupt nicht zufrieden. Sie organisierte uns eine Digitalwaage und ein elektrisches Abpumpgerät. Am nächsten Tag hatten wir sein echtes Gewicht: 3050 g. Was für ein Schock! Uns wurde klar, dass er immer so geschrieen hatte, weil er einfach hungrig war.
Wir überlegten, ob wir Ferdinand in die Klinik bringen mussten. Aber Frau Schwaiger hielt Rücksprache mit ihr bekannten Ärzten und sagte, dass man nun einfach alle 2-3 Stunden zufüttern musste, um den kleinen Kerl aufzupäppeln. Und zwar bis er 4 Kilo hatte. Zusätzlich sollten wir schnell zu einem Kinderarzt gehen, der Ferdinand durchcheckte. Er machte Blutuntersuchungen und schallte seine Nieren und seinen Kopf. Glücklicherweise war nichts passiert. Ferdinand war ein zäher Bursche!
Wie all das geschehen konnte, wo ich doch so viel stillte und anscheinend immer zuviel Milch produzierte? Frau Schwaiger mutmaßte, dass das Stillhütchen, das ich verwendet hatte, zu klein war. Dadurch bekam Ferdinand zuwenig Milch, dadurch rissen meine Warzen immer wieder auf und dadurch staute sich die Milch in meiner Brust, was die Entzündung entfachte.
Ich verwendete also von da an nur noch das große Hütchen, das Ferdinand gleich akzeptierte. Allerdings verweigerte er die Brust ohne Hütchen mit aufgeregtem Weinen. So verschob ich die Gewöhnung an meine Brust erstmal auf später. Die Pilzsalbe und die Plastikkappen brachten schon nach einem Tag große Erleichterung für meine geschundenen Brustwarzen. Außerdem ließ ich alle anderen aufwändigen Anwendungen und Mittel weg, auch die homöopathischen.
Wir wogen Ferdinand nun jeden Tag. Er nahm pro Tag etwa 100 Gramm zu. Parallel dazu wogen wir Ferdinand vor und nach dem Stillen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was er aus meiner Brust saugte. Es waren gerade mal 20 Milliliter! Wir fütterten also 80 ml dazu, damit er pro Mahlzeit 100 ml bekam. Nach dem Stillen pumpte ich ab, da er durch das Stillhütchen meine Brust anscheinend nie ganz leer saugen konnte. Nun hieß es also: die Milchproduktion in Schwung zu bringen. Ich trank Milchbildungstee, legte Ferdinand viel an, aß viel, trank viel Wasser und stimulierte die Milchbildung durch das Abpumpgerät.
6. Woche:
Nach zwei Wochen wog Ferdinand 4 Kilo und war eindeutig zufriedener.
Meine Milchmenge war nun bei etwa 80 ml angelangt. Ein Erfolg!
Beim Nachpumpen kamen aber oft noch 30 – 50 ml. Und
das letzte Ziel lautete also Ferdinand wieder an die Brust
ohne Stillhütchen zu gewöhnen. Dazu reichte aber
vorerst unsere Kraft nicht. Wir waren froh, dass nun ein erträglicher
Alltag einkehrte und Ferdinand uns in der 6. Woche mit Lächeln
belohnte. Wir konnten den Kleinen endlich genießen,
auch wenn er bei Hunger lautstark schrie und ungeduldig wurde.
Wir konnten es ihm nicht verdenken. Die drei Wochen unfreiwillige
Diät hatten Spuren hinterlassen.
12. Woche:
Gesundheitlich geht es mir und Ferdi (er wiegt jetzt 5,5 Kilo und lacht ganz viel!) sehr gut. Ich habe insgesamt nur zwei Wochen zugefüttert. Jetzt habe ich sehr viel Milch und versuche den Kleinen von seinem 2-Stunden-Rhythmus zu entwöhnen, was ganz gut geht.
Kathrin Burger und Ferdinand
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